Sex ist doch das Normalste der Welt, oder?

Wie traumatische Erlebnisse die Sexualität eines Menschen beeinflussen können

Die Vorstellung, von dem, wie Sex zu sein, auszusehen, zu riechen und sich anzufühlen hat, ist gesellschaftlich sehr klar definiert. Sex muss geil sein. Orgasmen müssen am besten multipel sein. Und in einer guten Beziehung sollte mal fünfmal pro Woche Sex haben – mindestens. So steht es in Frauenzeitschriften geschrieben, wird es in Hollywood-Filmen gezeigt und so sprechen Menschen auf Social Media von Sex.

Als Sexualberaterin begegnen mir diese Vorstellungen sehr häufig in meinen Einzel- und Paarberatungen. Denn obwohl die meisten Menschen wissen, dass dieses Bild von Sexualität sehr eingeschränkt und stressig ist und nicht der Realität entspricht, schwirren diese Gedanken doch in den Köpfen herum. Der Mythos, wie Sex zu sein hat, macht Druck. Und Druck und Stress sind DIE Lustkiller schlechthin. Und: In diesem Bild von Sexualität haben Themen wie Schmerzen beim vaginal aufnehmenden Geschlechtsverkehr genauso wenig Platz wie Traumata und Retraumatisierungserfahrungen während sexueller Handlungen. Das Zusammentreffen von Sexualität und Trauma ist immer noch stark tabuisiert, obwohl es viele Menschen mit traumatischen Erfahrungen gibt. Gewalterfahrungen, Geburtsverletzungen und sexuelle Probleme kommen häufiger vor, als man vermuten würde.

Hier spielt der Beckenboden eine interessante Rolle: 60-95 % der Menschen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen leiden an Beckenbodenbeschwerden. Und trotzdem wird über den Beckenboden kaum gesprochen, außer vor und nach der Geburt eines Kindes. Dabei gehören Sexualität und Beckenboden unweigerlich zusammen.

Ein Orgasmus ist beispielsweise eine Kontraktion des Beckenbodens. Deshalb kann Beckenbodentraining beispielsweise die Orgasmusfähigkeit fördern. 

Sexualität ist Teil unserer Gesundheit 

Sexualität ist ein wichtiger Faktor für Wohlbefinden und allgemeine Lebenszufriedenheit, ebenso wie es Beckenbodengesundheit ist. Und trotzdem erfährt man über den Beckenboden kaum etwas. Und das betrifft auch Menschen, die im Gesundheits- und Sozialbereich tätig sind und als Ansprechpersonen für Menschen gelten, die ein Problem rund um Sexualität und Beckenboden spüren. 


Obwohl die Themen Sexualität und Trauma medial so präsent scheinen, wagt es ein Großteil der Patient*innen nicht, mit medizinischem Fachpersonal darüber zu sprechen. Auch bei Ärzt*innen, Pflegepersonal oder Therapeut*innen dominiert häufig Scham und Unsicherheit. Oftmals fehlt es an den fachlich richtigen Begriffen wie Vulva. Das ist kaum verwunderlich, denn das Thema Sexualität findet in vielen Ausbildungen keinen oder kaum Platz.

Lehrgang

Und das müssen wir ändern! Aus diesem Grund haben meine Kolleginnen Magdalena Heinzl, Natascha Herrmann und ich einen Lehrgang zu den Themen Sexualität, Beckenboden und Trauma entwickelt, der im Herbst in den 2. Durchgang startet. Alle Infos dazu findest Du hier: www.gefuehlsecht.at/lehrgang
Mit dem Code “VIVALAVULVA” erhältst du als Viva La Vulva-Leser*in einen Rabatt von 5%!


Cornelia Lindner

Cornelia Lindner ist ausgebildete Sozialarbeiterin, Sexualpädagogin, Sexualberaterin, Familienplanungsberaterin, Supervisorin und zertifizierte Beckenbodentrainerin. Gemeinsam mit Verena Tschemernjak von Toni Books hat sie das gendersensible Aufklärungsbuch “Erbsenklein Melonengroß” geschrieben. 

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