Consent – Alles was kein “F***, yes!” ist, ist ein Nein

Ob beim Schmusen, Streicheln oder Sex, eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass nur Dinge okay sind, denen man auch zugestimmt hat. Trotzdem scheint das Thema Consent noch immer bei vielen Menschen Unbehagen, Unverständnis oder vermeintliche Verwirrung auszulösen: Muss man denn wirklich immer Ja sagen?

Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Ja! Muss man. Um es mit den Worten von Florence Given zu sagen:



If it’s not a “Fuck, yes!” it’s a “No.”



It’s a dress not a yes

Das Wort Consent kommt aus dem Englischen und bedeutet einer sexuellen Aktivität aktiv zuzustimmen. Dabei geht es nicht nur darum, persönliche Grenzen aufzuzeigen, sondern auch jene der Partner*innen zu respektieren. Kein Nein ist dabei schlicht und ergreifend nicht genug, denn Consent ist niemals implizit. Das bedeutet, dass man nicht durch den Beziehungsstatus einer Person, einer gemeinsamen Vorgeschichte oder gar einem Outfit auf die Zustimmung zu sexuellem Kontakt schließen kann. Auch Schweigen ist keine Form der Zustimmung. Consent muss immer explizit sein, klar kommuniziert werden und er kann auch jederzeit widerrufen werden.



Diese unmissverständliche und aktive Form der Zustimmung steht im krassen Widerspruch zur patriarchalen Gesellschaftsstruktur, die uns schon früh einredet, dass Frauen* „erobert“ werden wollen und Männer sich nicht unter Kontrolle haben, wenn es um ihren Sexualtrieb geht.



„Rape Culture“ bezeichnet eine gesellschaftliche Attitüde, die Vergewaltigungen normalisiert und verharmlost. Um Missverständnissen vorzubeugen: Hierbei geht es natürlich nicht um eine Gesellschaftsform, in der Vergewaltigungen gesetzlich legal sind, sondern um ein kulturelles und strukturelles Problem. Slut Shaming, Schuldzuweisungen (victim blaming), Verharmlosung und/oder Romantisierung von sexueller Gewalt sowie die Objektifizierung von Frauen* tragen dazu bei, dass sexualisierte Gewalt weit verbreitet und immer noch weitgehend toleriert ist.



Schicksal der Frau*: Vermeiden, erdulden und ertragen?

Ich selbst habe erst sehr spät gelernt was Consent bedeutet, so dass ich, wie viele Frauen*, Überschreitungen meiner persönlichen Grenzen am eigenen Leib erfahren musste. Ob bei Besuchen in Clubs, bei denen mir jemand ungefragt auf den Hintern gefasst hat, oder auf Dates mit Männern, die mir das Gefühl geben wollten, ich sei ihnen etwas schuldig.



Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, dass ich als junger Mensch eine Zeit lange gedacht habe, als Frau* wäre es mein Schicksal, übergriffiges Verhalten zu vermeiden und wenn das nicht mehr möglich war, es zu erdulden und zu ertragen. Als sei übergriffiges Verhalten ein Naturgesetz und der Umgang damit meine individuelle Verantwortung.



Aber es ist nicht meine Verantwortung, Übergriffe zu vermeiden, sie zu ertragen oder sie zu erdulden. Und es ist auch nicht deine!



Selbst heutzutage werden junge Menschen nicht oft genug dazu ermutigt, Grenzen zu setzen und jene anderer zu respektieren. Dass bei sexuellen Aktivitäten um aktiv Zustimmung gefragt wird, ist immer noch die Ausnahme und nicht die Regel. Warum? Die Ausreden zahlreich! Auf einige besonders gefinkelte vermeintliche „Missverständnisse“ zum Thema Consent möchte deshalb ich hier eingehen.



Wenn du glaubst Consent ist ein Stimmungskiller, bist du der Stimmungskiller

„Um Consent zu fragen, zerstört die Stimmung!“ Das ist eine Ausrede, die leider viele von uns schon einmal gehört haben. Doch warum eigentlich? Es gibt doch nichts Sexieres als selbstbewusst und offen mit seiner Partner*in über Lust und sexuelle Fantasien zu sprechen. Persönliche Grenzen und Vorlieben sind verschieden. Deshalb ist es umso wichtiger, sich Zeit zu nehmen, um sicher zu stellen, dass beide Partner*innen auf der gleichen Wellenlänge sind. Auf die Gefühle und Befindlichkeiten der Partner*in Rücksicht zu nehmen, ist nämlich, wider gängigen Stereotypen und toxisch-männliche-Verhaltenskodizes, alles andere als ein Stimmungskiller.



Denn wisst ihr, was wirklich ein Stimmungskiller ist? Übergriffiges Verhalten.



Eine Stimmung, in der alle Beteiligten das Gefühl haben, es jederzeit ansprechen zu können, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind, schafft sich nämlich nicht von selbst. Das Fragen nach Constent kann dazu beitragen, Partner*innen die Angst davor zu nehmen Nein zu sagen und sie dazu anregen, ihre eigenen Wünsche zu kommunizieren.



Es gibt verschiedene Arten, nach Consent zu fragen. Dabei darf und soll man gerne auch mehr als eine Frage stellen. Hier ein paar Beispiele:

  • Magst du das?
  • Gefällt dir das?
  • Fühlt sich das für dich gut an?
  • Möchtest du die Stellung wechseln?
  • Darf ich dich hier berühren?
  • Möchtest du Oralsex?
  • Darf ich dich hier küssen?
  • Möchtest du lieber nur schmusen?


Warum das Gerede von “Blurred Lines” Bullshit ist, der nur Tätern hilft

I know you want it, I know you want it, I know you want it….




Wer hat nicht schon mindestens einmal rhythmisch zum Song „Blurred Lines“ von Pharell Williams und Robin Thicke gewippt oder sogar gesungen und getanzt? Hört man jedoch auf die Lyrics des Ohrwurms, wird schnell klar, dass darin sexuelle Gewalt zu verharmlost, Frauen* zu Sexualobjekten reduziert und Vergewaltigungsmythen bestärkt werden. Sogar Interpret Pharell Williams möchte sich heute von seinem Werk distanzieren und sagt in einem GQ-Interview, er schäme sich dafür. Zurecht!



Während es viele unterschiedliche Weisen gibt, Nein zu sagen, ist eines glasklar: Nur Ja heißt Ja und Nein heißt nicht bitte überrede mich.


Vermeintliche Grauzonen sind bequem, wenn es darum geht, die Schuld von den Tätern in Richtung Opfer zu schieben. „Ich konnte ja nicht wissen, dass du das nicht wolltest.“ „Sie* hat doch mitgemacht und nicht nein gesagt.“ „Wir haben doch auch schon das letzte Mal miteinander geschlafen!“ Fakt ist, dass sexualisierte Gewalt nicht immer so aussieht, wie sie in den Medien und in Filmen dargestellt wird. Durch vorgegaukeltes Unwissen und Grauzonen gelingt es Tätern, den Opfern ein schlechtes Gewissen einzureden, sie an ihrer eigenen Realität zweifeln zu lassen oder sie sogar dazu zu bringen, sich selbst die Schuld zu geben.



Hören wir endlich mit dem Märchen rund um die „Blurred Lines“ auf, denn die vermeintliche Unklarheit über die Situation nützt nur den Tätern: Es gibt keinen Sex ohne Consent. Sex ohne Zustimmung der Partner*in hat einen Namen: Vergewaltigung.



Consent ist hot!

Nichts ist geiler als gute Kommunikation, reflektiertes Verhalten und respektvoller Umgang mit den persönlichen Grenzen anderer. Deshalb:



  • Stell vor dem Sex sicher, dass du und deine Partner*in auf einer Wellenlänge seid und ihr beide wirklich Lust habt.
  • Frag nach, bevor du etwas machst oder fließend mit etwas weitermachst.
  • Wenn jemand schläft, unter starkem Einfluss von Drogen steht oder bewusstlos ist, kann es keinen Consent geben (!!!).
  • Wenn du die Sexstellung änderst oder zum Beispiel zu Oralsex wechseln möchtest, stell sicher, dass auch deine Partner*in das möchte.
  • Lass Überredungsversuche sein. Remember: If it’s not a “Fuck, yes!” it’s a “No.”
  • Reflektiere dein Verhalten und deine persönlichen Grenzen: Fühle ich mich unwohl, wenn ich Nein sage?


Nein zur Rape Culture und Ja zu Consent

In Österreich haben laut einer EU-weiten Erhebung drei Viertel aller Frauen* sexuelle Belästigung erlebt und nahezu ein Drittel aller Frauen* hat sexualisierte Gewalt erfahren. So drastisch diese Zahlen sind, leider repräsentieren sie nur einen Bruchteil der Betroffenen, da viele Opfer keine Anzeige erstatten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Rape Culture trägt dazu bei, dass die Schuld Opfern zugeschoben und das Verhalten von Tätern entschuldigt wird. Die sogenannte Täter-Opfer-Umkehr führt manchmal sogar dazu, dass Opfer versuchen die sexualisierte Gewalt nicht als solche zu benennen oder zu werten, um sich und ihr Umfeld augenscheinlich zu schützen.





Ein wichtiger Grund für das Ausbleiben von Anzeigen ist aber auch die Gesetzeslage und deren Bezug zu Consent. Im schwedischen Model heißt es „Ja heißt Ja“ und nicht „Nein heißt Nein“. Damit soll nicht mehr die Abwehr gegen sexuelle Avancen einen Übergriff definieren, sondern eine sexuelle Begegnung gilt erst als einvernehmlich, wenn alle Partner*innen aktiv eingewilligt haben. In Österreich gibt es im Strafgesetzbuch keinen Paragrafen nach schwedischem Vorbild. Eine deutlichere Gesetzeslage, die nur ein „Ja“ als ein solches wertet, wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

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