Corona: Und plötzlich reden wir über Frauenarbeit



Pünktlich um 18 Uhr wird geklatscht. Applaus für die Helden und Heldinnen* der Krise, die in Supermärkten, in Krankenhäusern, in Apotheken, in der Pflege und in vielen anderen Betrieben arbeiten. Diese Berufsgruppen eint, dass sie zum Großteil von Frauen* ausgeübt werden. Betreuungsberufe sind zu 88 % weiblich, im Gesundheitsbereich sind es 81,5 % und im Lebensmittelhandel 70,6 %.



Quelle: Moment Magazin


Care-Arbeit vor den Vorhang

In der Corona-Krise rückt die Care-Arbeit wie noch nie zuvor in den Vordergrund. Pflegearbeit, die zu einem großen Teil von Frauen* getragen wird. Diese läuft sonst unbeachtet hinter den Kulissen ab, doch in Zeiten der Krise und der daraus resultierenden Solidarität, rückt sie mit einem Schlag ins Rampenlicht, wo sie nun beklatscht wird.


Auf einmal wird vielen klar, dass Frauen* – surprise, surprise – einen großen Teil der Gesellschaft aufrechterhalten. Sie arbeiten in Betrieben der sogenannten kritischen Infrastruktur, also jene Betriebe die wir zum Überleben brauchen. 


Wir feiern also jetzt die Supermarktkassiererin, die Apothekerin, die Pflegerin aber auch die Alleinerzieherin, die sich neben Job nun auch verstärkt um ihre Kinder kümmern muss, als Heldinnen der Krise. Wir beklatschen sie und danken ihnen für ihren Einsatz – als ob sie eine Wahl hätten. Als ob sie sich jeden Tag aufs Neue dazu entscheiden würden, in die Arbeit zu gehen, die eben nicht vom Schreibtisch zuhause erledigt werden kann. Was wäre die Alternative? Dienstverweigern? Kündigen? Auch für sie geht es ums finanzielle Überleben.


„Ich habe keine Zeit, Angst vor dem Virus zu haben“ schildert mir eine Supermarktmitarbeiterin vergangene Woche. Und so schlucken sicherlich viele jeden Morgen ihre Ängste hinunter und gehen einfach ihrer Arbeit nach. 


Klatschen reicht nicht

Sie werden zwar jetzt in den Medien porträtiert und in den Sozialen Medien hochgelobt, sogar der Bundeskanzler dankt ihnen persönlich und die Supermarktketten schalten in den Tageszeitungen Dankes-Inserate für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen*: Doch wo bleibt die finanzielle Anerkennung?


Die großen Supermarktketten kündigen an, ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen* eine finanzielle Entschädigung zu zahlen. Bei Rewe (Billa, Merkur, Penny, Bipa) gibt es einen „Danke-Bonus“ auf die Mitarbeiterkarte in Höhe von ca. 10 Millionen € für alle 40.000 Beschäftigen in den Filialen, den Lagern und der Logistik. Da bleibt dann für jede*n eine bescheidene Einmalzahlung von 250 Euro. Auch bei Spar gibt es ein zynisches Dankeschön von 150 bzw. 75 Euro auf die Mitarbeitertreuebonus-Karte. Sprich, die Mitarbeiterinnen* und Mitarbeiter dürfen das Geld im eigenen Betrieb wieder ausgeben und sorgen so für Umsatz. Echte finanzielle Wertschätzung schaut anders aus! Bleibt zu hoffen, dass nach der Krise endlich ernsthaft über Gehaltserhöhungen im Handel und in der Pflege geredet wird. Derzeit liegt der Kollektivvertrag für Vollzeitangestellte im Handel bei rund 1.714 Euro brutto (Einstiegsgehalt). Nicht zu vergessen: Ein Großteil davon arbeitet Teilzeit.


Die Krise zeigt uns ganz klar, dass Frauen verstärkt in der kritischen Infrastruktur tätig sind und somit an vorderster Front stehen. Sie setzen sich täglich einem erhöhten Ansteckungsrisiko aus und sorgen dafür, dass unser Leben zumindest auf Sparflamme weiterlaufen kann. Corona zeigt schonungslos auf, dass es Frauen* sind, die zu einem großen Teil die Betreuungs- und Sorgearbeiten tragen – und zwar nicht nur in der aktuellen Krise. Dass sie dafür nicht entsprechend entlohnt werden, ist gar nicht mehr zum Klatschen, sondern nur noch zum Haare raufen. 



Links:

https://www.moment.at/story/corona-wichtigste-berufe-weiblich-schlecht-bezahlt

https://www.derstandard.at/story/2000115893223/corona-krise-zeigt-frauen-sind-stuetze-der-gesellschaft

https://www.derstandard.at/story/2000116080331/was-vom-lob-fuer-frauenarbeit-bleiben-wird

https://wienerin.at/statistik-es-sind-frauen-die-unsere-gesellschaft-der-krise-aufrecht-erhalten-und-auch-sonst

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