Wir stehen uns selbst im Weg!


Bevor ich euch erkläre, wie ich das meine, stelle ich euch kurz meinen Weg vor:


Ich selbst, frisch in Wien, habe im Frühjahr 2020 oft mit mir gehadert, ob ich an einem der online-Workshops des Vereins „FIRE“ teilnehmen soll. Gedanken wie „Ich kenne dort doch niemanden“ und „Was, wenn ich mich blamiere“ sind durch meinen Kopf gekreist, obwohl ich die Themen und die Initiative dahinter sehr bewunderte.


Was auffällt: Unsicherheit regiert viele Frauen*

Aus einer Überwindung zur stillen Zuhörerschaft ist eine enge Bindung zu dem Verein gewachsen, indem ich dem Organisationsteam beigetreten bin. Backgroundarbeit kann ich schließlich, solange ich nicht im Rampenlicht stehen muss.


Je mehr ich mich jedoch engagierte und über die Strukturen und Inhalte lernte, desto mehr habe ich begonnen, Fragen zu stellen und die Vereinsarbeit aktiv mitzugestalten. Ganz langsam habe ich diese Veränderung auch im privaten und beruflichen Umfeld bemerkt. Ich habe Dinge plötzlich aktiv angesprochen und so etwas verändert. Es hat mir Sicherheit gegeben, in geschützter Umgebung meine Standpunkte zu vertreten, mich austauschen zu können, Feedback zu bekommen und dieses auch mit der Zeit richtig einordnen zu können. Das alles ist ein Prozess, der bei mir immer noch nicht abgeschlossen ist.


Was mir – und anderen Frauen* im Organisationsteam – immer wieder aufgefallen ist, ist jedoch, dass wir mit unseren Veranstaltungen immer mehr Männer als Frauen* anzogen.

Vor allem der Rhetorik-Bereich, scheint einer zu sein, wo es Frauen* für die Teilnahme an Überwindung kostet.



Dabei haben uns speziell unsere weiblichen Teilnehmerinnen* bei den Übungen der Rhetorik-Workshops zum Staunen gebracht, wobei ihnen* ihre* verbale Stärke oft nicht aktiv bewusst war.


Immer noch höre ich von vielen meiner Freundinnen*, wie unsicher sie sich sind, bestimmte Dinge zu probieren oder bestimmte Dinge auszusprechen. Oft höre ich Sätze wie: „Ich erfülle nicht zu 100 % das Anforderungsprofil, also bewerbe ich mich lieber gar nicht erst“ oder „Ich hätte dem Professor echt diese Frage stellen sollen, die hätte mich brennend interessiert“.


Die neue, aktive Rolle

DIE Rhetorik ist weiblich – Wie kommt es dann, dass vor allem Frauen* sich zurücknehmen und nicht an sich und diese Superkraft glauben? Liegt es vielleicht daran, dass sie* sich ihrer* nicht bewusst sind?


Egal ob mir Freundinnen* von ihren Unsicherheiten erzählen oder ich mich selbst darüber ärgere, dass ich meine Frage dem Professor nicht gestellt habe, was immer noch regelmäßig vorkommt. In diesen Momenten frage ich mich immer: „Was ist das Schlimmste, das passieren hätte können?“ und in den meisten Fällen ist die Antwort tatsächlich: Nichts, was der Rede wert wäre. Im Gegenteil frau würde in den meisten Fällen davon sehr profitieren, wenn frau sich einfach trauen, etwas zu tun. Trotzdem tun wir es nicht. Weil wir Angst haben, zu versagen. Weil wir nicht abgestempelt werden wollen. Weil wir zu perfektionistisch sind. Oder weil wir nicht auffallen wollen. Und das in einer Gesellschaft, wo von Gleichberechtigung immer wieder die Rede ist.


Ich habe das Gefühl, dass Frauen* Angst haben, dass sie von außen falsch wahrgenommen werden und sich deshalb, bewusst oder unbewusst, zurücknehmen. Dadurch werden sie meiner Meinung nach fälschlicher Weise viel zu oft als still und zurückhaltend wahrgenommen. Paradox, oder?


WIR stehen uns damit selbst im Weg und wissen vielleicht gar nicht, wie WIR es ändern können. Interessante Persönlichkeiten, wie WIR sie sind, halten ihre Geschichte zurück, anstatt sie zu teilen, um keine Ablehnung zu erfahren und negative Reaktionen zu bekommen. Viele können dabei nicht filtern, ob es sich vielleicht um konstruktives Feedback handelt, da schlicht und einfach die Erfahrung fehlt und sich auch nicht darüber ausgetauscht wird. (hust Gehaltsverhandlungen hust).


Diese und andere Barrieren sind bei uns allen unterschiedlich ausgeprägt. Doch jede* hat ihre* Unsicherheiten. WIR alle müssen lernen damit umzugehen, um für das einzustehen woran WIR glauben und was WIR wollen. WIR müssen gesehen werden. Denn wenn WIR uns nicht sichtbar machen – wer soll es dann für uns tun?

Es geht nicht darum, gut oder perfekt zu sein, sondern sich zu trauen und über sich hinauszuwachsen.


Trau dich kommunizieren

Und manchmal braucht frau in diesem Fall einfach einen kleinen Schubs in die richtige Richtung und sieht, was doch alles möglich ist. Mit all diesen Wahrnehmungen und Erfahrungen möchte sich FIRE mit dem nächsten Rhetorik-Workshop an all jene richten, die unsicher sind, vor oder mit Menschen zu sprechen und ihre Standpunkte klar zu vertreten. In dem Workshop „Trau dich kommunizieren – der Einsteigerinnen-Workshop“ wollen wir, vor allem für junge Frauen*, eine Basis des Selbstvertrauens aufbauen und die richtigen Werkzeuge mitgeben, um sicher in eine Konversation, eine Präsentation oder in eine Diskussion hineinzugehen. 


Für Nicht-Mitglieder unseres Vereins beträgt die Teilnahmegebühr 8 €, mit einer Mitgliedschaft ist das der Workshop gratis. Das Event wird online (via Zoom) am 11. November 2020 um 19:00 Uhr stattfinden.


Alle Informationen findet man außerdem auf unserer Website. Wer sich direkt anmelden möchte kann das hier tun.



Gastautorin

Maria Scharf


Maria (21) studiert Intergriertes Sicherheitsmanagement an der FH Campus Wien und behauptet sich seither in einer männlich-dominierten Arbeitswelt. Nebenbei ist sie im Organisationsteam des Vereins FIRE (Forum interdisziplinärer Rhetorik und Expertise) und entwickelt diesen aktiv in allen Bereichen weiter.

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