Gastbeitrag

Blut, Schweiß und Tränen

Eine der ersten Reaktionen, die mich zur Veröffentlichung meines Buches Menstruationswut erreicht hat, war die Frage, ob es darin um pseudofortschrittliche Unappetitlichkeiten geht, ganz so, als würde ich ihm persönlich das Thema wie einen teuren Wein einschenken. Hier gnädiger Herr, eine frische Tasse Periodenblut mit Stückchen, wohl bekomm’s. 

Ich meine, es ist ja nicht so, als wäre ich so besonders obsessed mit meiner Gebärmutterschleimhaut, wie solche Roberts das immer gern unterstellen, aber die Tabuisierung eines natürlichen Vorgangs ist eben auch die aktive Aufrechterhaltung des Status quo und hat wenig mit „echter Komplizenschaft zwischen Männern und Frauen“ zutun, die dann eigenen Angaben zufolge aber hehres Ziel ist.

Solche Aussagen sind sowieso ganz niedlich. Also niedlich im Sinne von zum Brechen. Das klingt immer so ein bisschen wie „Ich sehe keine Hautfarbe, ich sehe nur den Menschen“ und das ist auffällig einfach festzuhalten, wenn man weiß ist. Stichwort Intersektionalität. 

©Panti M. Baghbani

Es geht nicht nur um die Menstruation, es geht auch um Identitäten. Es geht um die Klitoris, um Büstenhalter, Fußball und Migration und es geht um die Wut und den Zweifel, den es erzeugt, in einer Gesellschaft sozialisiert zu werden, in der man erst mal lernt, sich für sich selbst und den eigenen Körper zu schämen, weil er aufgrund eines oder mehrerer Merkmale von dem abweicht, was als Norm angenommen wird. 

Also zum Beispiel, weil der Körper einmal im Monat unten eine Komplettrenovierung durchführt. Das mag zwar statistisch die Hälfte der Weltbevölkerung betreffen, aber das ändert eben leider nichts daran, dass diese Form des Tapetenwechsels möglichst heimlich und unaufgeregt vonstattengehen soll. 

Flecken machen verboten

© Monika Kozub/Unsplash

Heimlich, um auch während der Periode zu tausend Prozent leistungsfähig zu bleiben und den beschissen entlohnten Vollzeitjob neben der unbezahlten Care-Arbeit Zuhause mit Bravour und merkwürdig verkniffenem Lächeln zu meistern. Unaufgeregt, weil sich sonst jemand mit Sicherheit auf wenig einfühlsame Weise nach dem aktuellen Zyklustag erkundigen würde. 

Wenn die Werbung zeigt, was wir sein sollen, dann wäre es unser aller Ziel, möglichst so zu menstruieren, dass wir an diesen Tagen ganz besonders leistungsstark sind. Dazu tragen wir dann demonstrativ diese reinweißen Bettlaken aus der Arielwerbung, nur halt als Sommerkleider, als wäre es wirklich diese dargestellte blaue, waschmittelartige Flüssigkeit, die unseren Körper da verlässt und keineswegs echtes Blut.

Solange Sauberkeit und Reinheit den Gegenentwurf zur Menstruation darstellen, ist der Mythos der unreinen Frau* lange nicht überwunden. 

Es ist ja nicht so, als hätte unsere Gesellschaft ein Problem mit dem Blut als solches. Eigentlich feiern wir Blut ziemlich ab, zum Beispiel im Rot von Nationalflaggen, nicht zuletzt der Österreichischen. Eigenes Blut ist auch okay, das zeugt von Opferbereitschaft und Einsatz. Blut, Schweiß, Tränen und so. Es darf halt nur nicht aus der Vagina tropfen, falls doch: zustöpseln und nicht darüber sprechen. 

©Valentin Salja/Unsplash

Shoutout an alle, die sich zu irgendeinem Zeitpunkt im Leben dafür geschämt haben, im Supermarkt Hygieneartikel zu kaufen, weil irgendein Dude die bloße Thematisierung dessen für unappetitlich befunden hat. 

Darüber müssen wir sprechen. Mit Menstruationswut gegen das Patriarchat. 


Gastautorin

Panti M. Baghbani

©Adrian Almasan | www.adrianalmasan.com

Menstruierende im 13. Jahr, studiert Germanistik und Philosophie an der Universität Wien. Unter dem Pseudonym kleinschreibung veröffentlicht sie feministische und antikapitalistische Texte auf story.one und Instagram. Ihr Buch Menstruationswut (ISBN 978-3-7108-0062-7) erschien im August 2021. 

Menstruationswut umfasst zwölf Glossen, die mit Kraftausdrücken, Selbstironie und Genitalien mit den patriarchalen Strukturen in verschiedenen Gesellschaftsbereichen abrechnen. Im Rahmen des Young Storyteller Awards 2021 wurde der Band für die Longlist nominiert. 

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