Gastbeitrag

Sexueller Missbrauch – mit einem Klick gelöscht und vergessen?!

Unvorstellbar, aber anscheinend die angestrebte Realität in China. #MeToo ist nicht umsonst einer der am häufigsten geteilten Hashtags auf Twitter. Viele von sexuellem Missbrauch betroffene Personen haben durch sie eine Stimme bekommen.

Seit 2007 geht #MeToo viral um die Welt, denn sexueller Missbrauch kennt keine Grenzen. Er macht weder Halt vor dem privaten Bereich der Arbeit noch der Freizeit wie Sport oder Musik. Soziale Medien wie Twitter ermöglichen es, öffentlich über erfahrenen sexuellen Missbrauch zu berichten.

Es erfordert mehr als nur Mut, sich öffentlich gegen die Schuldigen zu äußern und stellt oftmals das einzige Medium dar, gehört zu werden. Leider zieht es zu häufig aber keine Konsequenzen für die Täter mit sich, sondern vielmehr für die Opfer.

©APA/AFP/Eric Feferberg

Peng Shuai – Tennisspielerin & Idol der #MeToo-Bewegung

Anfang November äußerte sich die chinesische Tennisspielerin und ehemalige Weltranglistenerste erstmals öffentlich gegen ihren Missbraucher. Sie hat auf Weibo (chinesisches soziales Netzwerk) Zhang Gaoli vorgeworfen, von ihm missbraucht worden zu sein. Es handelt sich um den ehemaligen chinesischen Vizepremier, also eine sehr einflussreiche Person des politischen Machtsystems.

Doch lange durfte ihr Mut nicht andauern, bevor die Zensur schon ihre Fäden zog. Der Kommentar von Peng Shuai und alle in dem Zusammenhang geposteten Kommentare wurden sofort von Weibo entfernt. Als sei das noch nicht genug, ist Peng Shuai seit diesem Zeitpunkt aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Die Besorgnis über ihr Wohlbefinden und die Angst, sie werde gegen ihren Willen festgehalten, ist immer größer geworden. Nach und nach meldeten sich andere Tennisikonen sowohl weibliche als auch männliche zu Wort und sprachen ihr Unverständnis aus.

Der ehemalige chinesische Vizepräsident Zhang Gaoli ©APA/AFP/POOL/DMITRY LOVETSKY

Chinesisches Schweigen als Zustimmung?

Nach der Zensur verschwunden, als wäre Peng Shuai niemals in der Öffentlichkeit gestanden. Am 21.11. konnte Thomas Bach, der IOC- Präsident (Internationales Olympisches Komitee), schlussendlich ein Videotelefonat mit Peng Shuai führen. Kann dadurch nun ihr Wohlbefinden bestätigt werden? Wurde sie gar zu diesem Videotelefonat genötigt? Zwei Tage nach dem Gespräch meldet sich auch die chinesische Regierung erstmals zu Wort. Statt der erhofften Entschuldigung, betont ein Regierungsvertreter, Peng Shuais Verschwinden nicht zu politisieren und mit böswilligen Absichten aufzubauschen.

Konsequenzen oder ein weiterer unaufgeklärte #MeToo-Fall?

Der Chef der WTA (Women’s Tennis Association), Steve Simon, hatte bereits damit gedroht, WTA-Turniere in China zu untersagen, wenn keine positive Meldung von Peng Shuai käme. Doch da dies jetzt geschah, bleibt die Frage offen, ob Konsequenzen aus dieser Zensur gezogen werden. Denn in welcher Welt kann es rechtfertigbar sein, jemandem seine Stimme und seinen Mut, sich über sexuellen Missbrauch zu äußern, zu entziehen? Hoffentlich nicht in einer des 21. Jahrhunderts.

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