10 Feministische Bücher, die ihr lesen solltet

Soziale Isolation aufgrund der Corona Krise bestimmt gerade vielerorts unser Leben. Das Internet ist deshalb voll mit Listen – zum Beispiel für Netflix Serien, neue Hobbies und Musik. Da ich schon länger einen Blogbeitrag zu feministischen Buchempfehlungen schreiben wollte und auch in den letzten Tagen einige Anfragen dazu bekommen habe, ist es nun soweit.

 

Anlässlich der aktuellen Situation werde ich am Ende des Blogbeitrags auch ein paar Buchläden verlinken, bei denen man Bücher von lokalen Händlerinnen* bestellen und sich liefern lassen kann. Das ist jetzt wichtiger denn je, da kleine Unternehmen besonders von der Krise betroffen sind.

 

Bitch Doctrine: Essays for Dissenting Adults

Autorin: Laurie Penny
Jahr: 2017

Nicht umsonst beginne ich meine Liste mit diesem Buch. Bitch Doctrine ist mit Sicherheit eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe. In den Essays geht es um Gleichstellung, Macht, Fairness und Gerechtigkeit. Laurie Penny wirft einen scharfen Blick auf aktuelle Themen, wie z.B. die Wahlsiege der Rechten und Cybersexismus. Ihre Analysen und Forderungen sind feministisch, kritisch und provokant. Die Autorin nimmt sich weder ein Blatt vor den Mund, noch verpackt sie ihre Inhalte in “rosa Plüsch”. Bitch Doctine ist kein „Feel good“ und „Feminism is for everybody“ Buch. Das ist gut und erfrischend. Der Anspruch ist nicht Liebenswüridigkeit, sondern ein Aufruf laut, unangenehm und kritisch zu sein – eine „Bitch“ eben.

 

No more Bullshit: Das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten

Autorinnen*: Sorority
Jahr: 2018
Ein wichtiges Buch für alle, die genau wie ich lange verzweifelt nach einem Weg gesucht haben, mit Stammtischweisheiten, dummen Sprüchen und sexistischen Vorurteilen umzugehen. Es geht darum altbekannten Killerpührasen wie „Der Pay Gap ist ein Mythos“ oder „Verstehst du keinen Spaß?“ etwas entgegen zu setzen. Wisschaftlerinnen*, Expertinnen* und Künstlerinnen* liefern schlagkräftige Argumente und Strategien für verschiedenste Situationen. Das Buch ist kurzweilig, cool illustriert, vielfältig und smart. Nicht umsonst ist das Motto des Buches: „Aufschlagen, nachschlagen, zurückschlagen!“

 

Oh, Simone!

Autorin: Julia Korbik
Jahr: 2017

Dieses Buch habe ich gerade vor ein paar Wochen fertig gelesen und ich bin wirklich begeistert. Autorin Julia Korbik, die auch auf dem geichnamigen Blog Oh, Simone! bloggt, gibt Einblick in das Leben der feministischen Ikone. Sehr detailliert beschreibt die Autorin den Alltag der Schriftstellerin und Philosphin. Oh, Simone! zeigt eine mutige Frau, die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts für ihre Freiheit kämpfte. Sie ist intelligent und emanzipiert. Das Buch ist ein Plädoyer für die „Wiederentdeckung“ der großen Denkerin, das ich jeder jungen Feministin* ans Herz lege. Es ist keine Biographie in diesem Sinne, aber an die Biographieliebhaberinnen* unter euch: This should be your pick!

 

Der Ursprung der Welt

Autorin: Liv Strömquist
Jahr: 2017
Für alle die sich in diesem Blogbeitrag schon gefragt haben: Wo bleibt die Vulva? Die Suche hat ein Ende. “Der Ursprung der Welt” ist ein Comic in sieben Episoden rund um die Geschichte der Vulva – von Freud bis zu aktueller Popkultur stellt Liv Strömquist patriarchale Machtverhältnisse in Frage. Das Lesen dieses Buches ist regelrechtes Erlebnis: Mal lacht man laut über den bissigen Humor, an anderen Stellen ärgert man sich bis auf’s Blut über die bis heute vorherrschenden gesellschaftlichen Machtstrukturen. Ich würde sagen, das Buch ist ein Viva La Vulva Must-Read!

 

Feministin sagt man nicht

Autorin: Hanna Herbst
Jahr: 2018

Was heißt es, heute Feministin zu sein? Nach der vehementen Ablehnung des Begriffes durch unsere amtierende Frauenministerin, könnte diese Frage aktueller nicht sein. Was bedeutet es, Feministin zu sein? Wie wird man Feministin? Was hat das alles mit feministischen Sprüchen auf T-Shirts zu tun?
Das Buch von Hanna Herbst ist mutig und vielschichtig. Geschickt zeigt die Autorin wie verstrickt das alltägliche Erleben und die globalen Machtverhältnisse sind. Ganz nach dem Grundsatz „The personal is political“ macht Hanna Herbst strukturelle Ungleichheiten sichtbar. Ein tolles und sehr wichtiges Buch. Durch die graphische Aufbereitung ist das Buch trotz der Vielschichtigkeit und Komplexität der Inhalte sehr kurzweilig.

 

Yalla, Feminismus!

Autorin: Rayhan Şahin
Jahr: 2019

Die Autorin Reyhan Şahin, besser bekannt als Lady Bitch Ray, ist promovierte Linguistin, Rapperin und alevitische Muslimin. In ihrem Buch spricht sie offen über Sexualität, Islam, das Rap-Patriacht, Antirassismus und vieles mehr. Ein Kritikpunkt der sich durch das gesamte Buch zieht, ist die eindimensionale Fixierung auf die weiße westliche Frau im Feminismus. Immer geht es um Intersektionalität – Geschlecht, Herkunft, Religion, Bildung, Schicht, Pop- und Hochkultur.
In einem einzigartigen Schreibstil, den man als Ghettoslang gepaart mit wissenschaftlicher Analyse beschreiben könnte, diskutiert sie Debatten des Feminismus, das Kopftuch, HipHop und Deutschrap sowie die Arbeit ihrer Kolleginnen*. Außerdem kritisiert sie den deutschen Wissenschaftsbetrieb, den sie „Fuckademia“ nennt.
Zusammengefasst: Ein sehr cooles, erfrischendes und den Feminismus bereicherndes Buch. Besonders nach der aktuellen Diskussion um frauen*verachtende Raptexte mit #unhatewomen gibt es eindeutig Bedarf nach kritischer, feministischer Analyse in diesem Bereich.

 

Untenrum frei


Autorin: Margarete Stokowski
Jahr: 2016
Bei diesem Buch war ich sozusagen ein bisschen spät zur Party. Falls ihr es auch noch nicht gelesen habt: Zeit wird‘s! Maragarete Stokowski ist lustig, mutig und irrsinnig smart. Sie analysiert gesellschaftliche Machtverhältnisse, Schamgefühle und Rollenbilder. In ihren persönlichen Erlebnissen habe ich mich oft selbst wiedergefunden. Ich bewundere ihren Mut, auch die kleinen, schmutzigen und peinlich erscheinenden Dinge zu bennenen und anzupacken. Das Buch ist ein langersehnter Tabubruch, der viele Fragen aufwirft: Was passiert nach der sexuellen Revolution? Wie frei sind wir heute wirklich? Warum haben wir noch immer Probleme mit der Benennung der Vulva?
Es geht um nicht weniger als um die Freiheit selbst. Provokant, politisch, mutig und scharfsinning.

 

We Should all be Feminists


Autorin: Chimamanda Ngozi Adichie
Jahr: 2014
Von diesem kleinen Buch habe ich einen Vorrat zuhause. Weil ich finde, dass sich das Buch hervorragend als Geschenk eignet. Zum Geburtstag von Familienmitgliedern, Sponsionen von Freundinnen* oder als Mitbringsel statt einer Weinflasche, wenn man irgendwo zum Essen eingeladen ist.
Das Buch bricht mit negativen Konnotationen rund um den Begriff Feministin. Sollten wir alle Feministinnen sein? Auf jeden Fall sollte man sich, auch wenn man das Buch nicht kauft, den TedTalk von Chimamanda Ngozi Adichie anhören.

 

Witches, Sluts and Feminists


Autorin: Kristen J. Sollee
Jahr: 2017
Ich bin nicht sicher, ob es dieses Buch in deutscher Ausgabe gibt. Nichts desto trotz ist es auf dieser Liste. Das Buch ist eine sex-positive Analyse über die Geschichte von Misogynie und Selbstbestimmung anhand dreier Identitäten: der Hexe, der Schlampe und der Feministin*. Kristen J. Sollee schreibt über die Demonisierung von weiblicher* Lust – von der Hexenjagd bis heute. Eines der spannendsten Bücher, die ich zum Thema Geschichte der weiblichen* Sexualität je gelesen habe. Es geht um Lust, Queer Identities, Pornos, reproduktive Rechte, Freiheit und Selbstbestimmung.

 

Feminasty: The Complicated Woman’s Guide to Surviving the Patriarchy Without Drinking Herself to Death


Autorin: Erin Gibson
Jahr: 2018
Der Titel hält was er verspricht. Feminasty ist eine Mischung aus urkomischen persönlichen Essays und politischen Kommentaren. Das Buch ist böse und humorvoll zugleich. Erin Gibson zeigt und zerlegt strukturelle Diskriminierungen und Machstrukturen in einer einzigartigen Art und Weise. Ich musste mehrmals laut lachen beim Lesen. Gerade in der aktuellen Lage ist dieses Buch daher nur wärmstens zu empfehlen. (Disclaimer: Nicht sicher, ob es das auf deutsch gibt.)

 

Bücher kaufen, aber wo?

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