Erbsenklein und Melonengroß: Eine Antwort auf die schwierigste Frage der Welt

Kinder stellen oft die schwierigen Fragen (Wieso riecht die Oma so komisch? Wieso ist der Himmel blau?) Ein unschuldiges “Wie kommen die Babys in den Bauch?“ ist für viele Eltern aber der absolute Endgegner in Sachen kindergerechtes Welterklären. Wo anfangen bei Sex, Körper und Kinderkriegen? Und wie kann man diese Themen als Elternteil möglichst einfühlsam anschneiden?

An diese Mammutaufgabe hat sich das Buch „Erbsenklein Melonengroß“ herangewagt. Die kleinen und großen Leser*innen begleiten Tonis Familie bei der aufregenden Schwangerschaft mit Tonis Geschwisterchen. Das Vorlesebuch vermittelt durch kreative, farbenfrohe Illustrationen und kleine Anekdoten sensibel und kindergerecht alles rund um Geburt und Schwangerschaft. Dabei wurden alle möglichen Fortpflanzungsmöglichkeiten miteinbezogen. Das Buch streift thematisch nicht nur die klassische „Vater-Mutter-Kind“-Kombi, sondern bezieht ganz unterschiedliche Familienmodelle mit ein. Tonis Geschichte ist ein Aufklärungsbuch, soll den Kleinen aber auch die Möglichkeit geben, sich schon vor der Geburt mit ihrem neuen Geschwisterchen anzufreunden. 

Ein Alleinstellungsmerkmal dieses Vorlesebuchs ist auf jeden Fall der sensible Umgang mit dem Thema Gender. Nicht nur, dass auf ganz verschiedene Familien- und Lebensmodelle eingegangen wird (so ist um Beispiel von zwei Papas oder auch einer Mama ohne Uterus die Rede). Die vielen Illustrationen bilden ebenfalls eine Vielfalt an Menschen abseits der üblichen Zweiteilung der Geschlechter ab. Dieser Anspruch an Repräsentation gilt nicht nur für Geschlecht, sondern wird genauso in Bezug auf Hautfarbe, Körperformen und Ability umgesetzt. 

Anstatt die Kinder mit dem üblichen Penis-Vagina-Geschwurbel abzuspeisen, geht das Buch einfühlsam auf sexuelle Intimität ein und unterscheidet auch zwischen „miteinander schlafen“ und das viel allgemeinere „Sex haben“. Weder wird es für Kinder zu plastisch und steril, noch wird um den heißen Brei herumgeredet – hier gehen die Autorinnen den Weg der goldenen Mitte. Auch fürs Auge macht „Erbsenklein Melonengroß“ einiges her. Die farbenfrohen und kreativen Illustrationen erwecken die verschiedenen Charaktere, aber auch das Phänomen Schwangerschaft und Geburt zum Leben. 

Einziger Kritikpunkt: Natürlich sind die biologischen Vorgänge, die hinter einer Schwangerschaft stehen nicht gerade leichter Stoff für Kinder – besonders, wenn das Buch den Anspruch auf gendersensible Erklärung legt. Manchmal ist der Spagat zwischen kindergerechter und gendersensibler Sprache nicht ganz gelungen.

Erbsenklein Melonengroß vermittelt großen und kleinen Leser*innen alles was es rund um Geburt und Schwangerschaft zu wissen gibt und punktet dabei mit vielen schönen Illustrationen und einer süßen Geschichte.

Vor der Frage „Wie kommt das Baby in den Bauch“ braucht man sich also gerüstet mit diesem Vorlesebuch nicht mehr fürchten. 

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