Gastbeitrag

SISTERHOOD

Gemeinschaftsausstellung der IntAkt – Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen

Die Gemeinschaftsausstellung der Internationalen Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen hebt das Verbindende in den Mittelpunkt. Sich mit anderen Frauen zu verbünden, sich gegenseitig zu stärken, zu helfen und voneinander zu lernen – all das meint der titelgebende Begiff Sisterhood, der seit den 1970ern mit einer feministischen Implikation gebräuchlich ist. Von mittelalterlichen Frauenzirkeln zu Salons im 17. und 18. Jahrhundert bis hin zur Bewegung #WomensStrike und Netzwerken wie die IntAkt – sie alle können als Sisterhood Communities verstanden werden.

Der weibliche* Blick

Die Gruppenausstellung rückt Bilder über Frauen von Frauen in den Blickpunkt. Gezeigt werden ausgewählte Arbeiten von IntAkt-Künstlerinnen, die sich mit inspirierenden Frauen oder Frauenkollektiven beschäftigen: Von Töchtern und Müttern, über Kolleginnen und Künstlerinnen, bis hin zu feministischen Vorreiterinnen und historischen Vorbildern. Die Arbeiten erzählen von Frauen, die im Kleinen und Großen etwas bewirken, von einzelnen Persönlichkeiten oder Gemeinschaften. Es geht um Freundschaften, Vorbilder, Empowerment, Solidarität und um die Kraft von Kollektiven.

© Theresa Wey

Die in der Ausstellung versammelten Künstlerinnen nähern sich dem Thema auf unterschiedliche Art und Weise, sowohl inhaltlich als auch in der künstlerischen Umsetzung. Viele der Arbeiten sind für die Ausstellung neu entstanden. Körpersprache, Posen und Gesten stehen im Zentrum von Asta Cinks analogen Fotoarbeiten und Fria Elfens Collagen. Die Projekte der beiden Künstlerinnen spannen gleichzeitig auch einen Bogen zwischen den unterschiedlichen Generationen, die sich im IntAkt-Netzwerk sowie in der Ausstellung zusammenfinden.

“Vergessene” Künstlerinnen, Patriarchat & Mutterschaft

Mit zwei (vergessenen) Künstlerinnen und ihrer Vorbildrolle setzen sich Elisabeth Hansa und Ingrid Gaier auseinander. Dora Mai wiederum ließ sich von Frauen innerhalb ihrer Familie inspirieren und verknüpft in ihrer Serie an kleinformatigen Gemälden Erinnerungen und Fiktion.

Einige Projekte in der Ausstellung beziehen sich konkret auf das seit 1977 bestehenden Künstlerinnennetzwerk. Für ihre Atelierzeichnungen besucht Linde Waber seit 1982 Kolleg*innen in ihren kreativen Schaffensräumen und Ilse Chlan lässt in ihrer dokumentarischen Videoarbeit die IntAkt-Mitbegründerin Fria Elfen zu Wort kommen. Ihre eigene Beteiligung bei IntAkt inspirierte die Künstlerin Agnes Rossa wiederum dazu, sich mit dem Thema Mutterschaft in der Kunstwelt auseinanderzusetzen.

© Theresa Wey

Leonie Lehner widmet sich in ihrer Collage dem Kollektiv und seinem Agieren, während Doris Schamps interaktive Installation dazu einlädt die gleichzeitige Stabilität und Fragilität von Gemeinschaften zu erforschen. Eine kollektive Wut über tradierte Rollenbilder in der (Kunst)geschichte und Gegenwart sind Ausgangspunkt für Julia Bugrams und Dorothée Zombronners künstlerische Auseinandersetzung. Einen solidarischen Zusammenschluss zwischen Frauen und gegen patriarchale Machtstrukturen visualisieren Stella Bach und Gerti Hopf in ihren Werken, während Sarah Mang die Besucher*innen einlädt ihre eigene Sister mit der Welt zu teilen.

Die Ausstellung „Sisterhood“ will einen Gegenentwurf zum Begriff der Muse liefern, dem kulturhistorisch der männliche Blick innewohnt. Nicht zuletzt die kollektive Erfahrung der Pandemie führt nach wie vor bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten vor Augen und motiviert, sich für eine neue Solidarität einzusetzen. Die Ausstellung zollt der multidimensionalen Schönheit und dem Wirken von Frauen Tribut und fordert auf, uns gegenseitig zu unterstützen und zu stärken. Denn der Feminismus braucht Sisterhood. Und die Zeit der Frauen ist jetzt.

© Dorothee Zombronner

Ausstellungsdauer

27. Mai bis 8. Juli 2022

Künstlerinnen

Stella Bach, Julia Bugram, Ilse Chlan, Asta Cink, Fria Elfen, Ingrid Gaier, Elisabeth Hansa, Gerti Hopf, Leonie Lehner, Dora Mai, Sarah Mang, Agnes Rossa, Doris Schamp, Linde Waber, Dorothée Zombronner

Rahmenprogramm

Kuratorinnenführung: Mittwoch, 8. Juni und Donnerstag, 30. Juni, 18h
Künstlerinnen-Brunch: Samstag, 25. Juni, 12-16h
Finissage: Freitag, 8. Juli, 17h


Gastautorin & Kuratorin

Sophie Haslinger

© Christian Lendl

Studium der Kunstgeschichte und Publizistik & Kommunikationswissenschaften in Wien und Sydney. Nach beruflicher Tätigkeit bei basis wien und OstLicht. Galerie für Fotografie, seit 2015 Assistenzkuratorin und Ausstellungsmanagerin am Kunst Haus Wien und für das Fotofestival Foto Wien. Dutzende freie kuratorische Projekte mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Fotokunst, 2017 Curatorial Research Fellow am Museum of Contemporary Photography in Chicago.

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