Diese eine Nacht

Im Auto, als er zum ersten Mal bei mir geschlafen hat

Wenn du es nie versuchst, wirst du auch nie wissen, ob du es magst
Versuch es einfach, es wird dir bestimmt gefallen
Das ist unfair, du hast gesagt, du wirst es versuchen, aber du tust es nicht
Tränen in meinen Augen – gut vor ihm verborgen.



Als ich allein mit ihm war – das zweite und letzte Mal, als er bei mir geschlafen hat

Ich bin so müde von der Arbeit
Mir ist egal was wir tun – doch das war es nicht; er war sauer, weil ich einen Film sehen wollte.
• Du musst mir sagen, was du möchtest, wir können auch nach oben gehen
Das erste Lächeln dieses Tages
Ja, aber ich hab‘ so Rückenschmerzen, kannst du mich massieren?
• Ja, das tut mir leid, mach ich. Warte, ich helfe dir beim Aufstehen.



Im Bett, als ich ihn massiert habe

Mir tut alles weh.
Er ist unglücklich. Ich fühl mich verantwortlich.
Deine Hände sind angenehm, es ist jetzt ein bisschen besser
Er dreht sich zu mir um – ein Kuss: fordernd, erregt.
Mist! Ich hab‘ jetzt nichts hier oben – unten in meiner Tasche – aber mein Rücken tut so weh.
Ich stehe auf. In der Tür drehe ich mich um, er sieht mich nicht an. Ich gehe nach unten. Nackt.
Ich weiß unterbewusst, dass ich nicht bereit bin. Weder mental noch körperlich. Ich bin nicht feucht. Ich spucke mir in die Hand – hoffe das reicht.



Im Bett

Ich werfe ihm die Tasche zu – er sitzt aufrecht im Bett.
• (Warum kannst du plötzlich aufstehen?)
Komm her
Ich sitze auf ihm – ein Kuss.
Bereit?
Ich antworte nicht – bilde mir ein, ganz leicht den Kopf geschüttelt zu haben.
Du bist so geil.
Es tut weh. Mehr als alles zuvor. Ich schüttle den Kopf.
Tut es weh?
Das ist immer so beim ersten Mal, halb so wild
• (Warum ist es an dir zu beurteilen, ob es nur halb so wild ist?!)
Mir kommen Tränen.
Soll ich helfen?
Ich hab‘ keine Ahnung, was er damit meint. Ich nicke. Hoffe. Vertraue.
Der Griff um meine Arme wird enger. Er hält mich. Hält mich fest.
Er stößt zu. Hart. Erbarmungslos. Unendlich schmerzhaft.
Ich will schreien, aber alles, was davon übrig bleibt, ist ein lautes Keuchen.
Er hält es für Stöhnen.
Ich schüttle den Kopf. Eine einzige Träne rollt meine Wange hinunter. Er sieht sie nicht.
Ich halte mich kurz an seinen Armen fest – er bewegt sich weiter.
Nicht auf meine Oberarme, du bist zu schwer.
• Oh, tut mir leid.
Ich presse die Worte aus meinem Mund.
Ich lege meine Hand auf seine Hüfte, sage
• Warte
Ja, okay.
Er ist genervt, wartet nur wenige Sekunden, bevor er sich weiterbewegt.
Ich schüttle den Kopf, wie die Male davor sieht er es auch jetzt nicht.
• Langsam
Ich will nicht bitten müssen. Ich habe dem nie wirklich zugestimmt.
Ughhh
Er stöhnt – nicht aus Lust – er ist sauer, dass ich so kompliziert bin.
Ich schäme mich dafür – nicke zum ersten Mal an diesem Abend. Schuldgefühle. Die Erlaubnis, auf die er gewartet hatte.
Alles wird schwarz vor Schmerz – dann weiß – dann wieder schwarz.
Ich hab‘ das Gefühl zu explodieren.
• (Ich will das nicht, ich habe Angst)



Danach

Noch ein Kuss? Hatten wir davon nicht schon genug?
Ich fühle mich unsicher, will Zuneigung und Zärtlichkeit, bin verletzt.
Da beginne ich, die Erinnerung an diese Nacht mit einem schwarzen Tuch zuzudecken.
Ich kann es einfach nicht ertragen.



Viva La Vulva Gastautorin
Ina Appeltauer

Ina, eine 19-jährige Schülerin merkt, dass vorallem unter jungen Menschen Unwissenheit und Unsicherheit herrscht. Sie versucht durch ihre Texte Aufmerksamkeit auf die Themen zu lenken, die von der Gesellschaft gerne totgeschwiegen werden

Posts created 47

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

code

Related Posts

Begin typing your search term above and press enter to search. Press ESC to cancel.

Back To Top