Corona

Solitude Solidarity: Was von der Solidaritätswelle nach Corona bleibt

Weltweit steigt die Zahl der Cornona Infektionen. Das Virus macht weder vor Gesellschaftsschicht noch Geschlecht halt macht. Trotzdem betreffen uns die Auswirkungen sehr unterschiedlich. Während die einen ihren Hobbies nachgehen, bedeutet die Krise für andere mehr Pflege- und Kinderbetreuungsverantwortung. Während die einen bequem vom Home-Office aus arbeiten, werden andere an der Supermarktkassa angehustet. Während die einen versuchen auf kleinstem Raum die Nerven zu behalten, chillen andere in ihren 100m²+ Eigentumswohnungen.


Pandemien vergrößern in der Regel die bestehenden Ungleichheiten. Nicht umsonst bezeichnet Helen Lewis die Auswirkungen des Virus‘ als ein „Disaster for Feminism.“



Eine der eklatantesten Auswirkungen des Coronavirus wird sein, dass viele Paare in die 1950er Jahre zurückversetzt werden. Überall auf der Welt wird die Unabhängigkeit von Frauen ein stilles Opfer der Pandemie sein.

Helen Lewis


Solidarität, Nachbarschaftschallenges und kollektives Klatschen

Während auch die österreichische Regierung Antworten auf die geschlechterspezifischen Konsequenzen der Krise schuldig bleibt, konnte man in den letzten Tagen in der Zivilgesellschaft eine noch nie dagewesene Welle an Solidarität beobachten: Nachbarschaftschallenges, bei denen für ältere Menschen Besorgungen erledigt wurden, Fensterkonzerte am Wochenende und pünktlich um 18:00 kollektives Klatschen für die Helden und Heldinnen* der Krise. Es scheint, als würde Frauenarbeit endlich vor den Vorhang geholt. Shareables mit Dankesbotschaften für unterschiedlichste Berufsgruppen fluten die Timelines auf Social Media. Aber ist das echte Solidarität?


Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, muss erst einmal definiert werden, was der Begriff Solidarität denn eigentlich bedeutet. Im feministischen Diskurs und der Arbeiter*innenbewegung war der Begriff Solidarität ja schon vor Cornona fest verwurzelt. Dass das Wort Solidarität jetzt auch den Weg in den Mainstream gefunden hat, ist neu.

Im Duden wird Solidarität als „unbedingtes Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele“ definiert.

Aber über welche gleichen Anschauungen und Ziele sprechen wir aktuell?



Sind wir uns auf einmal alle einig, dass die Ausbeutung vieler Personen, aus der nur wenige privilegierte Gruppen Kapital schlagen, abzulehenen ist? Ich befürchte nicht.



Für viele versteckt sich hinter den Solidaritätsbekundungen vor allem eines: Das Ziel während und nach Cornona möglichst gleich weiter zu machen wie zuvor. Die vielen verschiedenen Prognosen über eine „Rückkehr zum Alltag“ post-Corona bestätigen, dass sich viele Menschen vor allem nach Gewohnheit, Vorhersehbarkeit und Kontrolle sehnen. Von einer Welle an echter Solidarität mit Frauen* und marginalisierten Gruppen kann daher kaum die Rede sein.


Wo sind die Politiker und Politiker*innen, die darüber sprechen, was die Schließung der Schulen mit Frauen macht? Wo waren die vielen Verbündeten eigentlich vor der Krise? Werden sie nach der Krise alle auf Demos gehen und feministische Initativen unterstützen? Werden sie sich in Zukunft aktiv für Anerkennung, Wertschätzung und gerechte Entlohnung von Frauenarbeit einsetzen? Hat die solidarische Gesellschaft in Österreich mehr zu bieten als kollektives Klatschen?

Veränderung einfordern

In der Tat wäre es naiv zu glauben, dass sich alle die jetzt Dankeschön-Zettel in ihre Selfie-Linse halten, nach Ende der sozialen Isolation aktiv für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen werden. Ich glaube aber auch, dass es mindestens genauso falsch wäre, die Chance auf eine breite Diskussion gesellschaftlicher Machtverhältnisse verstreichen zu lassen.

Wie man es dreht und wendet, dass es danach so weitergehen wird, als ob nichts gewesen wäre, ist allein durch die ökonomischen Auswirkungen der Corona Krise ausgeschlossen. Welche Auswirkungen Cornona auf die Gesellschaft und Geschlechtergerechtigkeit haben wird ist offen.



Werden wir Lohn- und Wertschätzungsverhältnisse am Arbeitsmarkt nach der Krise neu denken? Wird unbezahlte Arbeit von Frauen, die dem Erhalt der Gesellschaft dient, nach der Krise auf Augenhöhe mit der Arbeit von profitorientierten Unternehmen diskutiert?



Ob wie Helen Lewis befürchtet, die Unabhängigkeit von Frauen ein stilles Opfer der Pandemie sein wird, das hängt auch von uns ab. Was von der Welle an Solidarität bleibt, wird sich zeigen. Eines ist aber jetz schon glasklar:

Wenn wir Veränderung wollen, müssen wir sie laut und kompromisslos einfordern.

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