Vulven des Monats

Ja, ihr habt richtig gelesen. VulvEN des Monats. Morgen wird in Österreich ein neuer Nationalrat gewählt, vorzeitig. Da habe ich mir gedacht, dass ich doch Frauen verschiedener Parteien vorstelle, die mir besonders aufgefallen sind. Aufgrund ihres feministischen Engagements, weil sie Bad-Ass sind, weil sie viel leisten oder weil ich sie persönlich toll finde. Na gut, das letzte Kriterium habe ich eher ausgeschlossen.

Da ja doch einige Parteien für den Nationalrat kandidieren, war die Auswahl schwer, wen ich denn nun vorstelle. Und halbwegs neutral gegenüber den Parteien soll es sein. Man soll ja keinen ausschließen und so. Ich habe mir nun die Freiheit erlaubt, den Prognosen zu vertrauen UND habe mich entschlossen, Vertreterinnen von Parteien vorzustellen, die im Moment im Parlament sitzen bzw nach der nächsten Wahl aller Voraussicht nach im Parlament sitzen werden.

Hier also die Vulvas des Monats September, versucht, wenigstens ein bisschen neutral zu halten. An dieser Stelle auch eine Bitte: Auch wenn ihr mit der politischen Meinung einiger der Vorgestellten nicht übereinstimmt, es ist keineswegs feministisch, diese zu beschimpfen. Und um diesen Beitrag so objektiv wie möglich zu halten, habe ich mich dafür entschieden, jeder Frau eine Stimme zu geben; ob ich nun mit ihrer politischen Meinung übereinstimme oder nicht ist (zum Glück!) nur meine Sache.

Elisabeth Köstinger

Als Vertreterin der ÖVP habe ich Elisabeth Köstinger ausgewählt. Köstinger kommt, wie ich, aus Kärnten, und wuchs dort auf einem Bauernhof auf. Sie war unter anderem Obfrau der Landjugend Österreich und der Jungbauernschaft Österreich, wohl ein härteres Pflaster für Frauen. Seit 2009 war Köstinger im Europaparlament und war dort auch Mitglied des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter. 2017 wurde sie zuerst Generalsekretärin der ÖVP und wechselte nach der Wahl 2017 in den Nationalrat. Dort war sie zuerst dessen Erste Präsidentin, bis sie zur Ministerin für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft angelobt wurde.

2018  brachte sie ihren Sohn auf die Welt. Im Internet wurde sie daraufhin beschimpft, sie wurde als “Wichsvorlage” für Erzkonservative oder als “fett” beschimpft. Köstinger konterte gekonnt. Kritik brachte ihr auch ein, dass sie “lediglich” kurz in Karenz blieb und bald nach der Geburt wieder ihren Posten als Ministerin wahr nahm, während der Vater des Kindes in Karenz ging. Stößt vielen noch immer sauer auf. Etwas, dass sie mit einer anderen Vulva des Monats auch noch verbindet.

 

Joy Pamela Rendi-Wagner

Joy Pamela Rendi-Wagner, den meisten besser bekannt als Pamela Rendi Wagner, wurde in Wien als Tochter einer allein erziehenden (jungen) Mutter geboren und studierte und promovierte an der Medizinischen Fakultät in Wien. Sie machte eine zusätzliche Ausbildung im Bereich der Tropenmedizin. Im Laufen ihrer (medizinischen) Karriere war sie auch als Gastprofessorin an der Tel Aviv University in Israel tätig.

2017, vor der Wahl, wurde sie als Bundesministerin für Gesundheit und Frauen angelobt und wechselte nach der Wahl als Abgeordnete für die SPÖ in den Nationalrat. Seit 2018 ist sie auch Vorsitzende der SPÖ und auch Spitzenkandidatin für die Wahl morgen.

Rendi-Wagner hatte bereits am Anfang ihrer Ministerkarriere mit Anfeindungen zu kämpfen, ein Journalist empfand ihren Vornamen als besonders amüsant. Rendi-Wagner musste also mit vorwiegend persönlichen Anfeindungen kämpfen, während ihre männlichen Kollegen sich hauptsächlich mit fachlicher Kritik herumschlagen müssen.

Rendi-Wagner ist die erste Frau an der Spitze der SPÖ und hat als ihr Ziel genannt, die erste Bundeskanzlerin Österreich zu werden. Dieses Ziel wird sie wohl nicht erreichen können, da Österreich ja bereits eine Bundeskanzlerin hat (Brigitte Bierlein). Doch wahrscheinlich muss man die Aussage anders interpretieren: Rendi-Wagner möchte die erste gewählte Bundeskanzlerin der Republik Österreich werden 😉

 

Carmen Schimanek

Carmen Schimanek wurde in Klagenfurt geboren und besuchte die Handelsschule und die Abendhandelsakademie. Sie hat die Controlling und die Buchhalterprüfung.

Ihre politische Karriere begann sie in Tirol, um in der Gemeindepolitik aktiv zu werden. 2008 wurde sie dann in den Nationalrat gewählt, wo sie für die FPÖ die Rolle der Frauensprecherin seitdem einnimmt. Überdies ist sie seit 2011 Obfrau der Initiative Freiheitliche Frauen Österreich. Sie ist unter anderem auch Mitglied des Ausschusses für Gleichbehandlung.

Schimanek hat sich in ihrer politischen Karriere stark für ein Prostitutionsverbot für Asylwerberinnen eingesetzt. Kurz erklärt: Während Asylwerber in einem Beschäftigungsverhältnis nicht sein können, können sie ein Gewerbe betreiben. Da Prostitution auch ein Gewerbe ist, bieten auch einige Asylwerberinnen sexuelle Dienste an. Schimanek hat sich dagegen eingesetzt. Auch die Verschärfung des österreichischen Strafrechts hat sie befürwortet; darin gab es auch einige frauenspezifische Themen.

 

Beate Meinl-Reisinger

Beate Meinl-Reisinger wurde in Wien geboren und hat an der Juridischen Fakultät der Universität Wien Rechtswissenschaften studiert. 2013 kandidierte sie mit der damals neuen Liste “NEOS” für den Nationalrat und wurde auch Abgeordnete. Dieses Amt hatte sie inne, bis sich sich 2015 entschied, als Spitzenkandidatin für die Wiener Gemeinderatswahl zu kandidieren. Diese Kandidatur war erfolgreich und so wechselte Meinl-Reisinger 2015 in den Wiener Gemeinderat, dessen Mitglied sie bis 2018 blieb. In diesem Jahr trat Matthias Strolz als Vorsitzender der Partei zurück und Meinl-Reisinger übernahm dessen Posten. Im Oktober 2018 übernahm Meinl-Reisinger auch dessen Posten als Nationalratsabgeordnete. Kurz vor der Angelobung gab Meinl-Reisinger auch bekannt, dass sie mit ihrem dritten Kind schwanger ist. Bei ihrer Antrittsrede im Nationalrat wurde Meinl-Reisinger dann von Christian Hafenecker, FPÖ, zugerufen, sie sei “keine Jungfrau mehr”. Zwar bezeichnet man die erste Rede eines Nationalratsabgeordnete auch als Jungfrauenrede, doch in diesem Kontext war wohl nicht nur das
mitgemeint.

Im Sommer 2019 wurde Meinl-Reisinger zur Spitzenkandidatin der NEOS für die Nationalratswahl bestimmt.

 

Maria Stern

Maria Stern wurde in Ost-Berlin geboren und bildete sich schulisch in Tirol, Oberösterreich und Wien fort. Stern brachte sie bei den Grünen ein und war auch Sprecherin des Frauen Volksbegehrens 2.0. Diese Funktion legte sie zurück, als bekannt wurde, dass sie als Kandidatin für den Nationalrat der Liste Peter Pilz kandidiert.

Ein Mandat erlangte sie zuerst nicht. Aufgrund von Vorwürfen sexueller Belästigung legte Peter Pilz sein Mandat zurück, für ihn kam Martha Bißmann. Da die Staatsanwalt Innsbruck keine Anklage gegen Peter Pilz erhob, kam es zu innerparteilichen Umbauten und Maria Stern hätte ein Mandat als Nationalratsabgeordnete haben können. Sie lehnte dieses zu Gunsten Peter Pilz’ ab und bezeichnete dies als “zutiefst feministischen Akt”.

Maria Stern ist Bereichssprechern für Frauen im Nationalrat, auch ohne Mandat. Seit 2018 ist sie auch Obfrau von Jetzt – Liste Pilz und kandidiert bei der morgigen Wahl für den Nationalrat.

 

Sibylle Hamann

Sibylle Hamann wurde in Wien als Tochter bekannter Historiker geboren. Ihre berufliche Laufbahn begann sie bei der Tageszeitung Kurier. Sie wirkte auch als Moderatorin beim Projekt “Die letzten Zeitzeugen” mit.

2019 gab sie bekannt, für die 2017 aus dem Nationalrat geflogenen Grüne kandidieren zu wollen und hat mit Listenplatz 3 wohl sehr gute Chancen auf einen Einzug in den Nationalrat. Im Nationalrat will sie die Rechte der Frauen mit Zähnen und Klauen verteidigen. Dass sie eine stolze Feministin ist und sich kein Blatt vor den Mund nimmt, konnte man auch bei der Lektüre ihrer Kommentare feststellen. Man darf also auf ihre Reden im Nationalrat gespannt sein.

 

Bildquellen:

  • Elisabeth Köstinger, Joy Pamela Rendi-Wagner, Beate Meinl-Reisinger, Carmen Schimanek www.parlament.gv.at
  • Maria Stern www.profil.at
  • Sibylle Hamann www.sibyllehamann.com
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