Über die politische Vielfalt des Feminismus

Ich bin neoliberale Feministin. Mit diesem Satz ernte ich verwunderte Blicke, manchmal Kopfschütteln, oft Widerspruch. Immerhin ist Neoliberalismus böse und Feminismus den Linken vorbehalten. Ein kurzer Text zu einem Thema, das mir und vielen liberalen Freundinnen und Freunden ein Anliegen ist.

 

Die Begriffe „neoliberal“ und „Feminismus“ eint das selbe Grundproblem: Die Allgemeinheit ist sich der eigentlichen Bedeutung der Wörter nicht bewusst, sie werden falsch verwendet, sind mittlerweile mehr oder weniger negativ konnotiert und ein scheinbarer Widerspruch.

 

Was bedeutet es aber, neoliberale Feministin zu sein? Es bedeutet verkürzt, daran zu glauben, dass Frauen und Männer gleiche Rechte und Pflichten haben sollen und sie frei, selbstbestimmt und eigenverantwortlich an einem Wettbewerb teilnehmen, der faire Regeln kennt.

 

Feminismus im Allgemeinen bedeutet entgegen der aktuellen Wahrnehmung keine sozialistischen Forderungen wie 30h-Wochen, keine Quoten und auch nicht, dass Frauen in irgendeiner Weise bevorzugt würden.

 

Das alles sind verschiedene Interpretationen, sie alle ignorieren und verfehlen jedoch den Kern des Begriffes. Feminismus im eigentlichen Sinn ist nichts anderes, als sich für die gleichen Rechte und Pflichten für Männer und Frauen einzusetzen. Es kann nicht sein, dass Frauen benachteiligt werden. Es kann nicht sein, dass sie zu einem weit überwiegenden Teil für Haushalt und Kindererziehung zuständig sind. Es kann aber auch nicht sein, dass Männer im Gegensatz zu Frauen 6-9 Monate ihres Lebens in Form von Grundwehr- oder Zivildienst verstaatlichen müssen. Es kann nicht sein, dass Frauen früher in Pension gehen, es darf aber auch nicht sein, dass ein Staat so organisiert ist, dass Frauen signifikant weniger Pension bekommen, weil ihnen durch  (wichtige und richtige!) Kinderbetreuung unzählige Beitragsjahre verloren gehen und das Pensionssplitting zu unbekannt ist, um in Anspruch genommen zu werden.

 

Feminismus ist keine Einbahnstraße und bietet so viele mögliche Interpretationen. Das zu erkennen ist genauso essentiell wie die Einsicht, dass Feminismus nicht nur links, sondern auch liberal und vielleicht sogar rechts sein kann. Ich würde mir wünschen, dass das anerkannt wird und ich mich nicht rechtfertigen muss, als fest in der politischen Mitte stehende Liberale Feministin zu sein. Ich würde mir wünschen, dass die Gesellschaft sich auf das Ziel, das Liberale, Linke und vielleicht sogar manche Rechte eint, fokussiert: Das Bemühen um ein faires, gleichberechtigtes Miteinander, bei dem die genauen Ausformungen sekundär sind.

 

Für all das stehe ich, das ist mein Verständnis von Feminismus. Ich respektiere, dass es diametral andere Ansichten gibt. Aber ich werde mir meinen Feminismus nicht absprechen lassen, weil ich nicht links bin.

 

Viva La Vulva Gastautorin

Laura Marte

Die 18-jährige Laura kommt aus Vorarlberg und studiert an der WU Wien Wirtschaftsrecht.

 

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