SIE! MICH AN – Ein Interview mit Kollektiv Kimäre

Mit ihrer Ausstellung “SIE! MICH AN” setzt das Kollektiv Kimäre die Vulva künstlerisch in Szene. SIE! stellt unangenehme Fragen zum normativen Schönheitsideal für Vulven, zur Menstruation und Masturbation. Selbstbestimmte Lust und Sexpositivity stehen im Fokus.

Wir haben mit dem Kollektiv über die Motivation und Hintergründe ihrer sogenannten „Vulvassage“ geplaudert:

 

Was ist eine Kimäre?

Als wir unser Kollektiv gründeten, stellten wir uns als Ziel vor, Unsichtbares sichtbar zu machen, hinter die Fassade von gesellschaftlichen Konzepten und Normen zu schauen, die Komplexität unserer aufgegriffenen Themen zu zeigen.
So drängte sich bei der Namensgebung der Begriff der Chimäre auf, der in der Mythologie, Archäologie und Biologie Verwendung findet.
Ein Organismus aus genetisch unterschiedlichen Zellen und Geweben – mal Mischwesen, mal Trugbild, mal Hirngespinst.

 

Wann und wieso habt ihr euch gegründet?

Wir sind im Sommer 2017 zusammengekommen, weil wir alle den Bedarf gesehen haben, mit Kunst etwas zu verändern. Wir wollten nicht mehr nur zuschauen und reden, sondern etwas machen und Menschen erreichen.

 

Wie groß ist euer Kollektiv zurzeit?

Momentan sind wir zu sechst.

 

Warum Vulven?

Wir befassen uns in unserer Kunst mit dem weiblichen* Körper und der weiblichen* Lust jenseits von Klischees und mittlerweile langweilig gewordenen Blickwinkeln – schamlos ehrlich. Dazu gehört für uns auch das sichtbar machen des tabuisierten, aber essentiellen Körperteils, der Vulva.

 

Was ist das Ziel eurer Ausstellung?

Es gibt bestimmt schon genug Werke, die sich mit weiblicher* Sexualität beschäftigen, aber ganz so einfach ist es nicht. Auch wenn seit jeher die Schönheit der Frau* in allen Zweigen der Kunst dargestellt wird, so geschieht das meist (immer noch) von außen. Das bedeutet: Aus männlicher* Perspektive, oft mit der Frau* als Objekt der Begierde. Wir möchten mit SIE! MICH AN Frauen* dazu anregen, über sich selbst, über ihre Lust, ihre Tabus im Kopf nachzudenken und sie dazu empowern, selbstbestimmt und ohne sich zu schämen mit diesen Themen umzugehen.

 

Was hat Vulva Kunst mit Feminismus zu tun?

Das hat für uns ganz viel mit Empowerment zu tun. Viele Frauen* haben ihre Vulva noch kein einziges Mal wirklich angeschaut, weil „sich das nicht gehört“, oder haben Angst vor ihrer eigenen Lust, oder ekeln sich vor der Periode. Das muss nicht sein. Feminismus beginnt auch im Privaten, bei jeder* von uns.

 

Wie seht ihr die derzeitige Situation in Österreich: Welche Wahrnehmungen und Sichtweisen über den weiblichen* Körper und Sexualität dominieren den Diskurs in Österreich?

Dass Frauen* weniger verdienen als Männer* und häufiger von häuslicher Gewalt betroffen sind, ist ja kein Geheimnis mehr. Trotzdem hat sich die letzten Jahre wenig getan und das Thema Feminismus war kaum präsent. Umso mehr freut es uns, dass seit kurzem durch Social Media, Frauen*volksbegehren und vor allem durch engagierte Frauen* wieder überall vom „F-Wort“ geredet wird. Dadurch ändern sich die Sichtweisen des weiblichen* Körpers momentan rasant.

 

Können sich Gleichgesinnte bei euch engagieren?

Wir wachsen als Kollektiv momentan nicht, aber für alle Interessierten haben wir eine Facebook-Gruppe, um uns auszutauschen oder zu vernetzen. Kontaktiert uns gerne auf facebook oder instagram.

 

Viva La Vulva weil….
jede Vulva schön ist und gefeiert werden sollte!

 

Information zur Ausstellung SIE! MICH AN

Wann? 8. November 2018 ab 18:30

Wo? Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1070 Wien, Austria

Hier geht’s zur Facebookveranstaltung

 

 

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf die Ausstellung:

Unterhose von Lea Stiller

 

Godess of the Earth von Marviolà

 

Rainbow Hair Vulva von Laura Borschotzky

 

Many 2 One von Anja Pospisil

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