KLITCLIQUE. ArcheYOLO

Johanna Dohnal die Fruchtbarkeitsgöttin der Wiener Neuzeit? Wohl eher nicht. Aber eine Feministin von deren Schlag wir uns nur mehr wünschen können in der heutigen Kunst und Politik.  Das Künstlerinnenduo Klitclique benennt sich bei dieser Ausstellung als ArcheYOLOgINNEN und berichtet auf einzigartige Weise über die Frauenministerin der feministischen Herzen, sowie die anderen namhaften Damen der vergangenen Jahrhunderte bis hin zu Fruchtbarkeitsgöttinnen das Altertums. Was Klitclique gemacht hat, ist für mich als gebürtige Wienerin endgeil. Die Art wie sie es geschafft haben den fiktiven Wiener Frauenalltag vergangener Jahrhunderte zusammenzustellen und zu inszenieren ist sicher nicht nur für Kunstliebhaberinnen spannend!

 

Es entsteht eine postfaktische, also auf Gefühlen, nicht auf bloßen Tatsachen beruhende Sammlung von Objekten, die reiche Assoziationen provoziert. Kosmetik, Pflege, Kleidung, rituelle Gegenstände, Fruchtbarkeitsstatuen und Schriftstücke, die Wissen über Giftrezepturen weitergeben, sind in dieser Ausstellung zu einer fingierten, aber durchaus realistischen Erlebenswelt zusammengeführt.

 

Nicht nur ist Wirtschaft, Politik und das tägliche Leben der Vergangenheit Auslegungssache der Männerwelt, sondern gerade auch Geschichtsschreibung selbst. Dieser Museumsbesuch gab mir ein anderes Gefühl, vor allem der Zuversicht, dass es auch in Wien immer schon starke Stimmen gab und wir auch heute nicht alleine sind, wenn wir sagen: es braucht den Feminismus in allen Farben und Formen, in allen Lebenslagen und Ausprägungen.

 

Meine Empfehlung an euch: Nehmt euch 2-3 Stunden Zeit und schlendert mal mit euren Freundinnen vorbei. Bei der Affenhitze bis Ende August (Ausstellungsende: 30.8.) versprochen ein klima(x)tisierter Höhepunkt eures Sommers!

Meine Message an Klitclique: Wir sind große Fans!

 

Infos:

Austellungsort: Wien Museum MUSA | STARTGALERIE, Felderstraße 6-8, 1010 Wien
Austellungsdauer: 13. Juli – 30. August 2018
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18
EINTRITT FREI!

 

 

P.S.:

Wenn ich also schon mal beim Thema bin und auf die Liebhaberinnen der Kunstszene gestoßen bin, dann schaut vielleicht noch schnell bei Westlicht rein. Dort kann man leider nur noch bis 19.08. die unglaublichen Schüsse von Vivian Maier sehen. Mit ihrem Gespür für den Moment und ihren Kompositionen hat sie sich definitiv an die Spitze der sehr männlich dominierten Szene der Street Photography geschossen. Ich persönlich hab mich in ihre Portraits der Frauen aus den 1050er bis 60er Jahren verliebt.

Westlicht schreibt:

 

Ihre zahlreichen Selbstporträts in Spiegeln und Schaufenstern im Stadtraum brechen dabei mit der oft entlang archaischer Jäger-Beute-Schemata und konventioneller Geschlechterrollen konstruierten Erzählung des Genres.

 

Wer es nicht mehr vor Ausstellungsschluss schafft, sollte sich unbedingt den Film zu ihrer großartigen Persönlichkeit und ihrem Leben ansehen: Finding Vivian Maier.

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